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Hi-Tech Students PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Dominik Jirout   
28.11.2007
Beitragsinhalt
Hi-Tech Students
eLearning
Digital Universities

ImageDer Hörsaal im Wohnzimmer

Verstaubte Karteikarte versus MP3-Player, Laptop & Co. – immer mehr österreichische Studenten sind es gewohnt, High-Tech an die Uni zu schleppen. Die Art zu studieren revolutioniert sich selbst – nur der Lehrbetrieb ignoriert bisher weitgehend die Möglichkeiten, die die Geräte bieten. Das muss sich ändern, fordern Experten – die ersten Podcast-Vorlesungen gibt es schon.

Studieren ist heute auch nicht mehr das, was es einmal war: stöbern in Katalogen, durchblättern verknickter Skripten und mühsam über alten Büchern brüten – dieses Bild vom Studenten gibt es nur mehr in den Köpfen der älteren Generation und gehört nach und nach der Vergangenheit an. Laptops, Handys, MP3-Player und Internet sind dabei, das Lernen an den Hochschulen komplett zu wandeln.

 

cc Chris Corwin
Alltag an der Uni
Früher brauchte man viel Zeit für Live-Vorlesungsbesuche und gute Kontakte zum Skriptentausch – heute gibt es bereits die ersten Podcast-Vorlesungen als Bild- oder Ton-Datei. Vorlesungen können auf einfachem Weg vom Hörsaal in die Weiten des WWW übertragen werden, um mehr Studenten trotz Überfüllung das Hören zu ermöglichen. Selbst Versuche finden bereits virtuell statt, und Studierende sammeln Texte und ganze Bücher in den Datenbanken ihrer Rechner.

 

Skriptentausch à la Game-Boy-Generation

Sogar ein großer Teil des „Networkings“, welches durch alle Zeiten hindurch unter den Kollegen notwendig war, findet online statt – Plattformen wie stiv.at und studivz.at bieten hier unzählige Möglichkeiten für die Game-Boy-Generation, in Kontakt zu bleiben. Kurz „gegruschelt“ und schon ein Skript getauscht oder eine Lerngruppe gegründet, lautet hier im WWW die Devise. Auch komplette Studienreihen können online besucht werden, z. B. unter youtube.com/ucberkeley angesehen werden.

 

cc Thom Cochrane
Studieren - immer & überall
„Die neuen Studierenden sind mit dem PC und der ganzen Technik aufgewachsen. Sie kennen es kaum noch anders – und wollen die Möglichkeiten überall nutzen“, sagt Peter Henning, Informatik-Professor und Autor („eLearning in Deutschland“, uni-edition) aus Karlsruhe. Bei den Lehrenden sei dies aber oft noch nicht angekommen. „Jeder Professor weiß, dass die Studierenden sich Wissen im Netz beschaffen – aber kaum jemand integriert das in die Lehre.“

 

Vorlesungen für unterwegs

Der Bologna-Prozess für ein grenzüberschreitendes Studium in Europa hat vieles in Gang gesetzt und ebnet technischen Neuerungen den Weg. „Schrittmacher ist aber das Freizeitverhalten.“ Fast jeder Studierende hat einen MP3-Player. Neben Musik damit auch Wissen abzurufen, liege nahe. Hochschulen bieten mittlerweile ganze Vorlesungsreihen als Podcast an – der MP3-Spieler wird zum Hörsaal für unterwegs.

 

Nicht jeder Professor ist allerdings für Online-Vorlesungen geeignet. Persönlichkeit, Stimme und didaktischer Stil spielt bei Audio- und Video-Mitschnitten eine große Rolle. Weiters gibt es Lehrinhalte, die sich auf diese Art nur schwer vermitteln lassen. Brauchbare Video- und Audio-Vorlesungen brauchen viel Nachbearbeitung: allein Rohmaterial online stellen reicht einfach nicht aus. Andere Herausforderung: Der Stoff in etlichen Studienzweigen, etwa in Informatik, entwickelt sich so schnell weiter, dass Mitschnitte oft rasch veraltet sind.

 

Zaghafte Entwicklung

cc James /Flickr
Laptop & MP3-Player statt Collegeblock
Im Allgemeinen sind die Gehversuche Richtung eLearning und Nutzung neuer Medien in Österreich zaghaft. Große Neuerungen, wie flächendeckendes WLAN auf der WU Wien oder eine Steckerleiste in der ersten Sitzreihe des Audi Max sind selten, werden vom Publikum aber umso begeisterter angenommen. In Österreich gibt es erste Versuche zum „neuen elektronischen Lernen“ – elearningcenter.univie.ac.at. Seit Ende 2002 sucht das Strategieprojekt „Neue Medien in der Lehre an der Universität Wien“ Wege, nach und nach das Online-Lernen zu entwickeln. Die Taktik lautet hier „Blended Learning“, und zwar studieren mit teilweisen Anwesenheitsphasen direkt im Kurs, der Rest soll über das WWW geschehen.

 

Fest steht, dass es sicher noch Zeit brauchen wird, bis die teilweise vorhandene Skepsis beim Lehrkörper verebbt. Die Studierenden sind auf jeden Fall bereits jetzt technisch bestens für neue Lehrversuche und deren Umsetzung bereit – und einstweilen lässt es sich mit MP3 & Co. auf der Uni auch einfach Spaß haben.



 
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